Freundschaft oder Freundlichkeit
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Freundschaft oder Freundlichkeit

Es ist mir schon lange ein Anliegen, über Freundschaft und Freundlichkeit zu sprechen. Ich habe einen langen Tag hinter mir und ich bin müde. Ich könnte jetzt auch freundlich zu euch sein und sagen, dass alles gut ist und ein bisschen Theaterspielen. Das ist aber nicht das, was ich unter Freundlichkeit verstehe.

Freundlichkeit ist etwas ganz anderes.

Wir glauben, dass Freundlichkeit Freundschaft heißt.

Freundschaft kann wieder vergehen. Aus Freundschaft kann auch Feindschaft werden. Man muss ein bisschen aufpassen, was man sagt, denn der Feind kann ein Freund und der Freund ein Feind werden. Es hängt also sehr vom anderen ab.

Freundlichkeit hängt nicht von jemand anderen ab. Freundlichkeit hängt von dir ab.

Freundlichkeit ist etwas, was du  in Szene setzt. Es ist eine Art Seinsqualität.

Wenn du freundlich bist, bist du ja meistens nicht authentisch, weil wir ja wollen, dass der andere nicht beleidigt ist. Wir wollen eigentlich nein sagen, sagen aber ja, weil wir ja die Freundschaft erhalten wollen, geliebt werden wollen und und und. Das hat mit Freundlichkeit überhaupt nichts zu tun.

Freundlichkeit ist nicht eine aufgesetzte Freundlichkeit. Die aufgesetzte Freundlichkeit ist eigentlich nichts anderes, als den Hass, den wir eigentlich haben und der hinter der Freundschaft ist, besser kaschieren zu können.

Immer, wenn du Freundschaft hast, hast du natürlich auch Feindschaft. Das sind 2 Gegenpole. Was aber wirklich im Leben Wert hat, hat keinen Gegenpol. Das kannst du dir merken.

Das heißt: Freundschaft und Feindschaft sind Gegenpole.

Wenn du freundlich bist, dann hat das keinen Gegenpol, weil Freundlichkeit ein Seinszustand ist. Freundlichkeit ist noch höher als Liebe. Wenn wir das vergleichen: Liebe ist eine Blume. Der Duft von dieser Blume ist Freundlichkeit. Du kannst es nicht wirklich fassen, dass etwas, was dich berührt, dich umgibt, was du ausstrahlst, was aus dir rauskommt, nicht abhängig ist von jemandem da draußen, ob jemand nett oder nicht nett ist zu dir, ob du gerade in Stimmung bist oder nicht.

Es ist ein Seinszustand, das was du in dir authentisch bist. Das bist du ohne irgendetwas zu machen, ohne eine Freundschaft einzugehen. Du musst keine Freundschaft eingehen.

Buddha wurde einmal gefragt, ob ein Erleuchteter Freunde hat und Buddha hat geantwortet, dass ein Erleuchteter keine Freunde hat. Die Schüler waren damals ziemlich entsetzt, weil sie angenommen hatten, dass ein Erleuchteter doch Freunde haben muss. Er kann auch keine Feinde haben und wenn er keine Feinde haben kann, kann er auch keine Freunde haben. Das, was ihn umgibt, ist friendliness, Freundlichkeit. Das ist ein innerer Zustand.

Ich denke da oft an Osho, der mein größter Lehrer war. Das war ein ganz freundlicher Mensch. Er hat so viel Liebe ausgestrahlt, aber er war auch wild, total authentisch. In ihm war da so ein Duft von etwas, der ihn umgeben hat.

Dieser Duft hat mich am meisten an ihm fasziniert. Er hat ganz wilde Augen gehabt, wenn er wütend war, etwas ausgedrückt hat. „ They are all idiots!“ Er hat die Dinge beim Namen genannt. Er war nicht freundlich mit anderen, damit sie ihn in guter Erinnerung haben oder einen guten Menschen oder einen großen Meister in ihm sehen. Er war sowas von authentisch. Ich kenne keinen einzigen Menschen, der da an ihn herankommt, auch keinen anderen Meister. Ich war bei mehreren.

Die Frage ist nun, wie ich diese Freundlichkeit haben kann, wie kann ich das fühlen, wie kann ich von so etwas umgeben sein. Das ist jetzt nicht das Einfachste, weil wir das nie tun, weil wir immer von der Außenwelt abhängig sind.

Ich gebe dir jetzt eine unglaublich schöne Übung:

Egal, wo du bist, vielleicht sitzt du irgendwo auf einem Felsen, dann sei freundlich zu diesem Felsen.

Was heißt das jetzt? Das heißt, dass du jetzt dein Herz spürst und deine Liebe diesem Felsen gibst. Es ist ein großer Vorteil, wenn du das mit der Natur machst. Wenn du bei einem Baum stehst, dann gib deine ganze Aufmerksamkeit, deine ganze Liebe diesem Baum. Sei freundlich zu diesem Baum oder gib dem Fluss deine Aufmerksamkeit, deine Freundlichkeit, gib ihm deine Liebe.

Wir können uns das nicht vorstellen, weil wir immer alles tun, damit wir geliebt werden, damit wir ok sind. Insofern ist das nicht so ganz einfach, weil wir etwas völlig anderes machen müssen.

Du gibst – und da würde ich dir wirklich raten, die Natur herzunehmen – der Sonne, dem Baum, dem Berg, den Sternen, dem Meer, deine Liebe, deine Freundlichkeit.

Die Alten haben das noch gekonnt. Auch die Schamanen machen das, sie haben die Natur verehrt. Ich war viele Wochen bei einem  Schamanen in Südamerika, der hat den Baum wie seinen Freund begrüßt. Für ihn war das die Mutter Erde. Sie haben die Sonne in der Früh begrüßt, sie haben ihre ganze Aufmerksamkeit der Erde gegeben. Sie haben die Sonne willkommen geheißen und ihr gedankt, dass sie scheint, dass sie jeden Tag das Licht, den Glanz spendet für den Menschen, für uns alle.

Das ist jetzt nicht so ein heidnisches Ritual, das hat einen komplett anderen Hintergrund. Das habe ich damals, als ich so lange dort war, erfahren. Das ist etwas ganz anderes. Das ist etwas, was jemand aus sich heraus gibt. Das erzeugt in uns so diesen Duft von allem, was da draußen ist, ob das die Sonne, die Erde, das Meer oder die Sterne sind. Das sind alles deine Brüder. Das erzeugt eine Dankbarkeit und eine Freundlichkeit. Du hast dir die Natur zum Freund gemacht, nicht zu deinem Feind. Wenn es regnet, ist das auch dein Freund. Der Regen lässt die Erde wieder fruchtbar werden, es gibt wieder Pflanzen. Es wird sozusagen der Durst wieder gestillt. Du gibst die Aufmerksamkeit da hinüber.

Das ist kompliziert, weil wir nicht gewohnt sind, das zu tun und es kommt uns ziemlich komisch vor. Es kommt uns wie ein Ritual vor.

Es ist immer so ein bisschen auf Messer`s Schneide, denn wir wollen ja nicht eine Verehrung daraus machen, die wir gar nicht haben. Aber ich habe dann verstanden, dass es darum geht, die zu  haben, das zu kreieren, das ins Leben zu rufen und diese Wärme, dieses Leben und dieses Herz da hinüber zu geben, zu schenken. Das ist Freundlichkeit. Das ist ein Seinszustand. Das ist nicht: ich bin freundlich, damit du freundlich zu mir bist.

Das ist nicht die Freundschaft, die ich dir gebe, heute bin ich dein Freund und morgen bin ich dein Feind. Das ist ein polares Gebilde.

Freundlichkeit ist kein polares Gebilde, so wie Liebe kein polares Gebilde ist. Wir haben das falsch verstanden, das kommt aus unserer Kindheit, wo wir die Liebe wirklich brauchen. So geben wir erst dann die Liebe, wenn wir sie brauchen. Das ist halt dieses  Geschäft, das wir kennen und je nach dem, sind wir freundlich zu jemanden oder nicht.

Freundlichkeit ist ein permanenter Zustand, ein Seinszustand, den du langsam lernst, immer wieder lernst, der Natur, der Blume, dem Duft, deine Aufmerksamkeit und deine Liebe zu geben.

Das klingt jetzt ein bisschen komisch, aber es verändert dein Wesen total.

Später kannst du auch andere Dinge nehmen, aber ich würde nicht damit beginnen. Du kannst auch Gegenstände nehmen, du kannst deine Hand anschauen, ihr sozusagen deine Liebe geben. Du bist freundlich zu deiner Hand. Normalerweise sind wir nicht freundlich zu unserer Hand.

Da umgibt dich etwas, was andere auch spüren können. Darum geht es aber gar nicht, sondern darum, ein ganz besonderes Gefühl in deinem Leben zu haben, dass du eine Ausstrahlung hast, dass das Leben sozusagen dein Freund ist, weil das Leben dein Freund IST.

Wir haben das nur so gelernt, weil wir uns dafür entschieden haben, dass wir nicht freundlich auf diese Welt kommen, wenn wir geboren werden, dass es weh tut und und und.

Aber es ist nicht deine Aufgabe, im Negativen stecken zu bleiben, was die meisten Menschen ja ein ganzes Leben lang tun. Du bist hier und wirst ins Negative geboren.

Deine Aufgabe ist, zu entdecken, wie unglaublich diese Welt da draußen ist.

Du bist in Ablehnung, in Feindschaft, in Hass und deine Aufgabe ist es herauszufinden, dass du dieses große Ganze bist. Das kannst du aber nur, wenn du stückweise dieses Ganze immer wieder in deinem Leben kreierst und es reinnimmst und freundlich zu diesem großen Ganzen bist. Dann wirst du nach und nach zu diesem großen Ganzen.

Mach dir klar: Freundschaft ist schön, aber sie kann vergehen, sie ist polar. Alles, was polar ist, fängt deine Aufmerksamkeit z.B.: „Ist das heute ein schöner Tag!“ Darauf folgt sicher ein schlimmer Tag.

Das ist so und solange Menschen sich in der Polarität bewegen, wird es so sein. Erst wenn du einen Wert kennen lernst, der nicht „ich will das und das nicht“ beinhaltet, näherst du dich dem Sein.

Das Sein kennt kein Nichtsein.

Sein ist Sein

und Freundlichkeit ist ein Zustand dieses Seins.

Mach dir das klar und mach diese Übung.

Du lebst dich nicht – Einfache Schritte in die Authentizität | Die Biotiversity macht dich lebendig

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